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Fachoberschüler in der JVA — besuchsweise

 
Die FOS12C — noch "im Freien"
 

Es sind nur Frauen, die in der Justizvollzugsanstalt Hildesheim ihre Haftstrafen absitzen. Sie wurden wegen Schwarzfahren, Eigentumsdelikten, Beschaffungskriminalität wie Raub und Diebstahl, Drogenhandel oder Drogenbesitz, Onlinebetrug oder auch wegen Kapitaldelikten wie Totschlag oder Mord verurteilt — oder stehen im Verdacht, eine solche Straftat begangen zu haben, und warten hier in der Untersuchungshaft auf die Verhandlung.

Eine ist 78, aber die meisten Frauen sind zwischen 20 und 30 Jahre alt, nicht viel älter als die Schülerinnen und Schüler, die heute mit Ihrer Religionslehrerin Monika Nagel die Anstalt besuchen. Im Gemeinschaftsraum werden sie von der Theologin Marion Lüdke erwartet, die hier als Seelsorgerin tätig ist. Jetzt stellt sie sich den Fragen der jungen Leute, die an der Fachoberschule im Schwerpunkt Sozialpädagogik die Fachhochschulreife anstreben.

Zum Nachdenken bringt die Besucher der Bericht über eine 60-jährige Frau, die in Haft sitzt, weil sie Lebensmittel gestohlen hatte, da sie sich diese nicht mehr leisten konnte. Betroffen zeigt man sich von der Tatsache, dass auch Schwangere inhaftiert sind. Sie sehen ihr Kind lediglich im Krankenhaus nach der Geburt, da die Neugeborenen dann vorübergehend in eine Pflegefamilie kommen, bis ein Platz in einem Gefängnis für Mütter und Kinder gefunden wird.

Im Erdgeschoss ist die Untersuchungshaft. Im 1. und 2. OG befindet sich der  geschlossene Strafvollzug. In der Zeit von 18 Uhr abends bis 6 Uhr morgens bleiben die Türen verschlossen. Am Nachmittag dürfen die Frauen sich frei auf der Station bewegen und die anderen Frauen in ihren Zellen besuchen. Für Abwechslung und Nachmittagsangebote sorgen auch einige Freiwillige, die im Gemeinschaftsraum mit den Frauen basteln, stricken oder singen. Aktuell stricken die Insassen zum Thema "1000 warme Sachen" für den Guten Hirten.

Von der JVA bekommen die Insassen Bettwäsche, Handtücher und Kleidung, sowie Brot, Wurst und Käse. Mittags können sie sich warme Mahlzeiten kochen. Für Genussmittel wie Kaffee, Schokolade oder Zigaretten müssen sie selber sorgen — oder sie werden von Familienmitgliedern versorgt. Ein Highlight für viele Insassen sind Schenkungen in Form von Duschgel, Bodylotion oder Schokolade.

Zudem können die Frauen durch eine Arbeit zwischen 50 und 120 Euro ihm Gefängnis verdienen. Das verdiente Geld wird auf einem Konto angelegt und steht den Frauen dann zur Verfügung. Hilfe für "das Leben danach" erhalten die Inhaftierten von Marion Lüdke und den Sozialpädagogen. Man hilft ihnen bei der Wohnungssuche und bei diversen Anträgen.

 

In der nächsten Religionsstunde bei Monika Nagel werden die in der JVA gesammelten Eindrücke besprochen. Großes Thema ist auch hier die Situation der schwangeren Frauen, aber auch die der älteren Inhaftierten. Die Schüler ziehen das Fazit, dass immer der Einzelfall betrachtet werden und niemand nur aufgrund seiner Gefängnisstrafe verurteilt werden sollte, ohne die Hintergründe in Augenschein zu nehmen.

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