PFLEGE GESUNDHEIT SOZIALES HAUSWIRTSCHAFT

Reiseeindrücke von Mirjam

Mirjam absolviert gerade ihr Praktikum in einem Seniorenheim bei unseren Partnern in Partschins, Südtirol. Hier erzählt sie von ihren Eindrücken im neuen Land und in der neuen Kultur.

Highlights der 1. Woche

Am 03.01. begann meine Reise nach Südtirol und damit mein vierwöchiges Auslandspraktikum im Rahmen des Erasmus-Programms. Ich bin sehr dankbar für die Möglichkeit, über dieses Programm internationale Praxiserfahrungen zu sammeln und meinen fachlichen sowie persönlichen Horizont erweitern zu dürfen. Mein besonderes Interesse gilt der Arbeit mit älteren Menschen, da sich in ihren Lebensgeschichten und ihrem Alltag viele Aspekte von Selbstständigkeit, Gewohnheiten und Teilhabe widerspiegeln.

Nach der Ankunft führte mich der Weg in die Seniorenresidenz in Partschins, wo ich herzlich empfangen wurde. Bereits in den ersten Tagen konnte ich vielfältige Eindrücke vom Alltag in der Einrichtung gewinnen. Die Teilnahme an Übergaben, erste praktische Tätigkeiten sowie Begegnungen mit den Bewohnerinnen und Bewohnern ermöglichten mir einen umfassenden Einblick in die pflegerische und betreuende Arbeit.

Besonders eindrücklich war für mich der Umgang mit sehr unterschiedlichen Bedürfnissen und Lebenssituationen der Bewohnerinnen und Bewohner. Jede Begegnung erfordert Aufmerksamkeit, Geduld und eine individuelle Ansprache. Auch ungewohnte Situationen habe ich dabei als wertvolle Lerngelegenheiten erlebt, die meinen Blick auf den Pflege- und Betreuungsalltag erweitert und mein Verständnis für ganzheitliche Begleitung vertieft haben.

Neben dem Praktikum bot mir die Umgebung Südtirols die Möglichkeit, neue Eindrücke zu sammeln und das Erlebte zu reflektieren. Die Verbindung aus fachlichem Lernen, persönlicher Entwicklung und dem besonderen Umfeld macht diese erste Woche zu einem sehr positiven Start in mein Erasmus-Praktikum. Mit Neugier und Offenheit blicke ich auf die kommenden Wochen und weiteren Erfahrungen.

Highlights der 2. Woche

In dieser Woche war ich überwiegend im Frühdienst eingeteilt und konnte dadurch eine andere Seite des strukturierten Tagesablaufs in der Pflege kennenlernen. Der Vormittag ist geprägt von grundlegenden pflegerischen Tätigkeiten, die für viele Bewohnerinnen und Bewohner einen zentralen Bestandteil ihres Alltags darstellen. Ich hatte die Möglichkeit, beim Anziehen und bei der Körperpflege zu unterstützen und gewann dabei wertvolle Einblicke in das Leben von Menschen, die auf tägliche Hilfe angewiesen sind. Besonders eindrücklich war für mich, wie unterschiedlich die morgendlichen Situationen erlebt werden: Neben Dankbarkeit und Vertrauen begegneten mir auch Müdigkeit und vereinzelt morgendlicher Protest, wenn Bewohnerinnen und Bewohner gerne noch länger geschlafen hätten. Diese Erfahrungen haben mein Verständnis für die Bedeutung von Geduld, Einfühlungsvermögen und respektvollem Umgang weiter vertieft.

Ein weiteres Highlight dieser Woche war das Kennenlernen des Pflegebades der Einrichtung. Dieses ist sehr umfangreich und sinnvoll ausgestattet. Neben einer pflege- und behindertengerechten Wellnessbadewanne mit Lichtspielen, Sprudelfunktion und Musik stehen auch Hilfsmittel wie eine Hebehilfe zur Verfügung, um Bewohnerinnen und Bewohner sicher beim Baden zu unterstützen. Zusätzlich befindet sich im Pflegebad ein voll ausgestatteter Friseurplatz sowie eine behindertengerechte Toilette.

Mein persönliches Wochenhighlight war die Arbeit am Friseurplatz. Da ich große Freude am Frisieren habe, durfte ich einer Bewohnerin die Haare waschen, eindrehen und frisieren. Es war für mich ein besonders schöner Moment, die Zufriedenheit und Freude der Bewohnerin über ihr gepflegtes Erscheinungsbild zu erleben. Dieses Erlebnis hat mir erneut gezeigt, wie bedeutsam solche scheinbar kleinen Tätigkeiten für das Wohlbefinden und das Selbstwertgefühl der Bewohnerinnen und Bewohner sein können.

Einen besonderen Ausgleich zum Pflegealltag stellte ein Ausflug nach Bozen dar. Die Stadt beeindruckte mich durch ihre besondere Architektur, in der deutsch- und italienischsprachige Kultur aufeinandertreffen. Teilweise erinnert das Stadtbild mit seinen Laubengängen und Plätzen an venezianisches Flair und schafft eine angenehme Atmosphäre zum Verweilen. Der Wochenmarkt bot eine große Auswahl an regionalen Produkten, sodass ich mich mit Südtiroler Spezialitäten eindecken konnte. Bei blauem Himmel und frühlingshaftem Wetter war dieser Tag ein schöner Kontrast zum Arbeitsalltag und bot Raum zur Erholung und Reflexion.

Highlights der 3. Woche

In der dritten Woche meines Praktikums durfte ich eine besonders prägende Erfahrung machen: die Begleitung eines Menschen im Sterbeprozess. Durch meine Anleiterin wurde mir diese sensible Situation auf eine sehr respektvolle, ruhige und liebevolle Weise nähergebracht. Sie begleitete nicht nur die Bewohnerin, sondern auch mich selbst mit großer Einfühlsamkeit und war zu jedem Zeitpunkt präsent und ansprechbar. Der Sterbeprozess wurde zudem intensiv von der Familie mitgetragen, die in dieser Zeit umfassend an der Seite der Bewohnerin war. Diese gemeinsame Präsenz vermittelte eine Atmosphäre von Nähe, Würde und Geborgenheit.

Die pflegerische Versorgung stellte aufgrund der Krankheitsgeschichte der Bewohnerin besondere Anforderungen dar. Dennoch wurde sie jederzeit individuell an ihre Bedürfnisse angepasst. Als besonders berührend erlebte ich den letzten gemeinsamen Dienst mit meiner Anleiterin sowie die Begleitung bei der Vorbereitung der Aufbahrung, die innerhalb der hauseigenen Kapelle stattfindet. Der Umgang mit der verstorbenen Bewohnerin war dabei von höchstem Respekt geprägt. Die ästhetische Gestaltung des Abschiedsraumes ermöglichte es auch den Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern, in würdevoller Weise Abschied zu nehmen. In diesem Kontext habe ich fachlich wie menschlich sehr viel lernen dürfen.

Neben diesen intensiven Erfahrungen gehörte auch der reguläre Pflegealltag weiterhin zu meinem Aufgabenbereich. Dabei konnte ich gemeinsam mit einigen Bewohnerinnen und Bewohnern verschiedene Aktivitäten durchführen, unter anderem Puzzeln, Malen sowie kleine Einheiten zur Blumenkunde. Besonders schön war es zu beobachten, wie sehr die Bewohnerinnen und Bewohner die Aufmerksamkeit und gemeinsame Zeit während dieser Aktivitäten genossen.

Einen wichtigen Ausgleich zu den emotional fordernden Momenten dieser Woche bot ein Ausflug ins Schnalstal. Bereits die Busfahrt dorthin war landschaftlich sehr eindrucksvoll. Mit der Grawand-Seilbahn ging es anschließend hinauf auf 3.251 Meter Höhe, zum höchsten Aussichtspunkt Europas an der Grenze zwischen Italien und Österreich. Bei blauem Himmel und inmitten der schneebedeckten Alpen konnte ich den außergewöhnlichen Ausblick genießen und die Gedanken bewusst zur Ruhe kommen lassen. Besonders eindrucksvoll war auch der Blick in Richtung der Ötzi-Fundstelle, der diesen Ausflug zusätzlich bereicherte.

Diese Woche hat mir eindrücklich gezeigt, wie vielfältig, anspruchsvoll und zugleich sinnstiftend die Arbeit in der Pflege sein kann – sowohl im Begleiten schwerer Momente als auch im bewussten Wahrnehmen kleiner, wertvoller Augenblicke.

„Net allas im Leben braucht Worte – manchmal reicht Dasein.“

Highlights der 4. Woche

In der vierten und letzten Woche meines Praktikums konnte ich meine bisherigen Erfahrungen weiter vertiefen und zunehmend sicherer anwenden. Besonders im Bereich der Aktivierung ergaben sich für mich prägende Lernmomente. Mit einer Bewohnerin, mit der ich mich in den vergangenen Wochen intensiv beschäftigt hatte, konnte ich durch verschiedene Übungen beobachten, dass für sie positive Veränderungen eingetreten sind. Diese Entwicklungen mitzuerleben war für mich sehr berührend und bestärkend.
Insgesamt arbeitete ich in dieser Woche bereits sehr eigenständig. Durch die kontinuierliche Begleitung meiner Anleiterin fühlte ich mich deutlich sicherer im Umgang mit den Bewohnerinnen und Bewohnern sowie in unterschiedlichen Situationen des Pflegealltags. Über die vergangenen Wochen habe ich viele Menschen sehr ins Herz geschlossen, und es haben sich wertvolle menschliche Begegnungen sowie echte Freundschaften entwickelt. Die letzte Woche war daher auch eine Woche des Abschiednehmens – von meiner Anleiterin, den Kolleginnen und Kollegen, den Bewohnerinnen und Bewohnern und nicht zuletzt von Südtirol selbst. Dieser Abschied fiel mir nicht leicht und war von vielen bewegenden und tränenreichen Momenten begleitet.
Besonders in Erinnerung bleiben mir die Gespräche mit einer fast 100-jährigen Bewohnerin, die mir eindrucksvoll aus der Geschichte Südtirols erzählte. Die Vielzahl an Eindrücken, Begegnungen und Erfahrungen, die ich aus diesem Praktikum mitnehme, ist so groß, dass dafür sprichwörtlich nicht einmal ein weiterer Koffer gereicht hätte.
Als persönliche Geste des Abschieds häkelte ich eine Bewohnerin als Abschiedsgeschenk für meine Anleiterin. Inspiriert von ihren markanten Haaren entstand so eine kleine Erinnerung, die bleiben darf. Auch für das gesamte Team gestaltete ich Espressotassen, damit ein Stück dieser gemeinsamen Zeit im Alltag weiterlebt.
Einen besonderen Ausgleich bot ein ganzer Wellnesstag in der Therme Meran, der Raum zum Abschalten und Reflektieren ermöglichte. Den Abschied von Südtirol rundete ich mit einem letzten Besuch in Meran ab, bei dem ich mir auch kulinarisch noch einmal etwas Gutes tat. Mein herzlicher Dank gilt allen Mitarbeitenden der Einrichtung, insbesondere meiner Anleiterin Evelyn. Durch ihre große Geduld, ihr umfangreiches fachliches Wissen und ihre einfühlsame Art hat sie mich nicht nur fachlich begleitet, sondern auch menschlich sehr bereichert. Sie nahm sich stets Zeit, erklärte Zusammenhänge verständlich und vermittelte mir, was würdevolle und respektvolle Pflege im Alltag bedeutet. Für diese Begleitung und das Vertrauen, das sie mir entgegengebracht hat, bin ich sehr dankbar.
Ein ganz besonderer Dank gilt ihr zudem für ein liebevoll zusammengestelltes Abschiedspaket, das ich erst im Zug öffnen durfte. Dieser Moment hat mich sehr berührt und mir noch einmal gezeigt, wie viel Herzlichkeit mir während meines Praktikums begegnet ist. Ebenso danken möchte ich dem gesamten Team, der Küche für die hervorragende Verpflegung sowie der Hauswirtschaft für die stets frische Wäsche. Ein herzliches Dankeschön geht außerdem an Christiane und ihren Sohn, die mich am Ende meines Praktikums zum Bahnhof begleiteten.
Nun freue ich mich darauf, nach Hause zurückzukehren und mit Offenheit und Zuversicht all das anzunehmen, was meine weitere Ausbildung noch mit sich bringen wird. Die Erfahrungen aus Südtirol werden mich auf meinem weiteren Weg begleiten.